Filmkritik zu „Mein ziemlich kleiner Freund“

Die alleinstehende Anwältin Diane (Virginie Efira) ist überrascht, als sie eines Abends von einem fremden Mann angerufen wird. Der Anrufer entpuppt sich als Alexandre (Jean Dujardin), ein charmanter Anwalt, der Dianes Handy in einem Restaurant gefunden hat und es nun seiner rechtmäßigen Besitzerin zukommen lassen will. Entzückt von so viel Ehrlichkeit stimmt Diane einem Treffen zu, das nicht nur der Übergabe des Handys, sondern gleichermaßen als Date dienen soll – denn bei dem kurzen Telefonat flogen zwischen ihr und Alexandre nur so die Funken. Umso überraschter ist sie, als ihr dann ein knapp 1,40 m großer Mann gegenübersteht! Nicht gerade das, was sich Diane unter einem Traumprinzen vorstellt, doch sie entschließt sich, dem überaus sympathischen Alexandre eine Chance zu geben. Und siehe da, tatsächlich erobert der kleine Mann ziemlich schnell das Herz der Single-Frau. Während die beiden nach nur wenigen Treffen ein Herz und eine Seele sind, reagiert Dianes Umfeld aber sehr befremdet auf das ungleiche Paar…

Auch wenn ich den Film noch nicht gesehen habe, fallen mir zwei Filme ein, an die ich mich durch Titel, Trailer und Teaser erinnert fühle. „Ziemlich beste Freunde“ und „Die Schöne und das Biest“. Mensch mit allen körperlichen Privilegien trifft auf Mensch mit offensichtlich wenigen (körperlichen) Privilegien. Die Menschen mögen sich am Anfang nicht, sie merken, dass der oder die Gegenüber doch nicht so schlecht ist (trotz aller Widerstände), sie haben sich lieb, die Welt ist gerettet und wenn sie nicht gestorben… Ende der Geschichte. Vielleicht hätte „Die Schöne und das ziemlich kleine Biest“ nun besser gepasst? Hätte ich mal meine Finger im Spiel gehabt! Übrigens: Der Film ist nur ein Remake. Die gleiche Geschichte erschien 2013 unter dem Titel „Corazón de León in Argentinien.

Digitaler Kleinwuchs

Noch viel blöder ist, dass der George Clooney Faktor bei der Auswahl des männlichen Schauspielers wohl wichtiger war, als die Authentizität des kleinwüchsigen Traumprinzen. Jean Dujardin alias Aleksandre alias ziemlich kleinster Traumprinz wurde mit moderner Filmtechnik „geschrumpft“. Das klappt laut ersten Kritiken mal gut, mal eher nicht so. Mal geht er seiner Anzuschmächtenden bis zur Schulter, dann bis zum Po. In Zeiten von guten kleinwüchsigen Schauspielern (an dieser Stelle kommen nicht die üblichen Verdächtigen) ist es mir ein Rätsel warum. Möchte man sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen und im entferntesten Sinne ein bisschen Aufklärungsarbeit über Hürden, Erfordernisse, usw. leisten, ist nur ein Kleinwüchsiger ein Kleinwüchsiger. Aber zukünftig malen wir dann wohl auch wieder weiße SchauspielerInnen schwarz an

Fazit

Schade, dass das Potenzial des Themas wieder einmal nicht genutzt wurde. Ich möchte nicht sagen, dass es die behandelten Berührungsängste nicht gibt, aber muss es denn ausschließlich Filme über diese Beispiele geben? Kann ein Paar nicht einfach mal klein und groß sein und wir drehen einen Film darüber wie sie glücklich und satt auf weißen Schimmeln in den Sonnenuntergang reiten und einer von ihnen fällt vom Pferd? Und: Ich finde es ja schon blöd, dass kleinwüchsige Menschen leider noch immer selten Rollen spielen, bei denen der Kleinwuchs eben keine Rolle spielt. Dass nun kleinwüchsige Menschen von geschrumpften nicht kleinwüchsigen Menschen gespielt werden, schießt den Vogel aber völlig ab. Ich sollte mich für den nächsten Star Wars bewerben, dann spiel ich Darth Vader und begegne meinem Sohn auf Stelzen!

Ziemlich blöde Kommentare zu der Komödie haben übrigens auch nicht lange auf sich warten lassen. So schreibt RP ONLINE über den „Traumprinzen im Miniaturformat“:

„Dianes Augen wandern abwärts, ihre Züge entgleisen, sie fängt sie eben noch auf. Aber man sieht, dass sie aufstehen und wegrennen will auf ihren High Heels. Ein bisschen kann man sie verstehen. Der Mann ist gerade mal 1,36 Meter groß.“

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