#Clausnitz

Ankunft in Clausnitz
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Ihr könnt Fleisch fressen, in Öl baden, 100 Zoll Flatscreens besitzen, 3 Handys haben, krank sein, ins Kino, Theater und zu Konzerten gehen, Liebe machen, Kinder kriegen, nach Malle fliegen, warm sein, aber ihr gönnt diesen Menschen nicht mal Frieden? Ihr seid hier die Assis, die Schmarotzer, die Banditen, das Pack! Ich schäme mich für euch – von ganzem Herzen! ‪#‎Bautzen‬ #Clausnitz

 

Ich bin 25, darf studieren und habe eine kleine aber tolle Familie. Mein Kühlschrank ist voll, das Wasser warm und die Stromrechnung bezahlt. Ich gehe auf Konzerte, ins Kino, mit Freunden essen und fliege regelmäßig in den Urlaub.

Wäre ich in einem Krisengebiet aufgewachsen, würde mein Leben nicht so aussehen und auch ich hätte mich wohl auf die Reise nach Deutschland gemacht, um in Frieden leben zu können. Schweren Herzens hätte ich mein bisheriges Leben hinter mir gelassen. Von meinen alten Freunden, wären wohl nur noch wenige da. Meine Heimat, meine Familie, meinen Besitz, meinen Stolz, alles hätte ich auf der langen Reise verloren.

Hier angekommen, würde mein Bus bespuckt, die 100 Menschen davor würden Dinge schreien die ich nicht verstehe. Ihre Wut würde ich erkennen, ihre hasserfüllten Gesichter, ihre zu Fäusten geballten Hände. Sie würden an die Scheiben schlagen, mir sagen, dass Sie das Volk sind, nicht ich. Dass sie hier die Menschen sind, nicht ich. Dass Ihnen dieser Fleck Erde gehört, nicht mir. Dass ich doch in meine Heimat abhauen solle, dorthin wo ich eben noch erschossen werden sollte. Dass sie auch hier meine Wohnung niederbrennen und mich nachts zusammenschlagen würden.

Die Kinder im Bus würden schreien, weil sie, wie ich, nicht verstehen würden, was da draußen passiert. Mama und Papa hatten ihnen doch gesagt, dass sie jetzt keine Angst mehr haben müssen. Ich würde mich an meine von Bomben zerfetzten Eltern erinnern, an meine Freunde, die vor mir hingerichtet wurden, an meine Wohnung, von der nicht mehr als Asche und Staub übrig ist.

Ich würde Frieden wollen, eine warme Wohnung und meine Familie, die ich noch in den Armen halten kann… Doch diese Menschen wollen mich nicht. Ich darf nicht Michel sein, nur ich, der auf einem anderen Fleck Erde geboren und dem alles genommen wurde.

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